Das Bild zeigt eine sitzende Person in Meditationshaltung. Über ihrem Kopf schweben viele graue, stachelige oder unruhige Gedankenblasen mit Symbolen negativer Gedanken. Die Person hält eine kleine Nadel in der Hand und entschärft damit gerade eine dieser negativen Gedanken. Die anderen stacheligen Blasen beginnen, sich von ihr zu lösen. Im Hintergrund wird die Hektik des Alltags angedeutet.

Die Kunst der Gedanken-Entschärfung

Der Feind in deinem Kopf: Warum Gedanken uns lähmen

Nachhaltigkeit beginnt für mich mit Achtsamkeit – nicht nur gegenüber der Umwelt, sondern vor allem gegenüber mir selbst. Unser Geist ist eine unermüdliche Gedankenmaschine, die leider oft auch negative und lähmende Botschaften produziert. „Du bist ein Versager“, „Das schaffst du nie“, „Das ist viel zu kompliziert“ – wir sind Experten darin, uns selbst herunterzumachen. Dazu gesellen sich diverse Ängste, z.B. vor Krankheiten, vor der nächsten Präsentation oder einfach vor dem Unbekannten.

Diese Gedanken können uns nahezu vollständig lähmen. Wir verschmelzen mit ihnen und halten sie in diesem Moment für die absolute Wahrheit. Doch das ist ein Trugschluss, denn Gedanken sind nur Gedanken, nicht die Wirklichkeit.

Geschätzte Lesedauer: 4 Minuten

Wenn Angst vor Neuem nachhaltiges Handeln blockiert

Gerade wenn du beginnst, dich mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, taucht vielleicht die Angst auf, das Thema sei zu komplex. Diese Angst vor Neuem ist völlig menschlich; sie liegt in unserer Natur. Für unsere Vorfahren in der Steinzeit war Neues oft gefährlich (man denke an den Säbelzahntiger), und die Reaktion war Flucht oder Kampf. Heute reagieren wir oft mit Vermeidung, was uns daran hindert, neue und nachhaltige Wege einzuschlagen. Doch genau hinsehen lässt die Angst oft schrumpfen.

Die ACT-Methode: Gedanken entschärfen, nicht verdrängen

In der wissenschaftlich fundierten Akzeptanz- und Commitment-Therapie (ACT) gibt es einen höchst wirksamen Mechanismus: die Entschärfung von Gedanken.

Die Grundidee ist simpel, aber kraftvoll: In dem Moment, in dem wir uns bewusst machen, dass ein Gedanke nur ein Gedanke ist und keine absolute Wahrheit, verliert er sofort an Kraft. Er kann uns nicht mehr steuern.

Ein konkretes Beispiel:

Stell dir vor, du sollst dein Nachhaltigkeits-Projekt in deiner Gemeinde vorstellen, oder einen Vortrag zum Thema Nachhaltigkeit halten. Kurz vorher überkommt dich die Angst und du hast Lampenfieber. Du denkst dann so etwas wie: „Ich werde stottern, mich blamieren.“ Anstatt diesen Gedanken zu bekämpfen oder ihn zu glauben, sagst du dir einfach: „Ich bemerke, dass ich den Gedanken habe, ich könnte versagen. Das ist nur ein Gedanke, nicht die Realität. Und dieser Gedanke wird mich nicht davon abhalten, meinen Vortrag zu halten.“

Damit hast du den bedrohlichen Gedanken entschärft. Du hast ihn nicht verdrängt, sondern ihm die lähmende Kraft genommen. Du kannst handeln, trotz des Gedankens.

Tipps zur Entschärfung im Alltag

  • Übe Achtsamkeit: Bleibe im Hier und Jetzt. Betrachte negative Gedanken wie Straßenlärm oder Supermarktmusik – lass sie kommen und gehen, ohne ihnen Beachtung zu schenken.
  • Löse dich von alten Glaubenssätzen: Sätze wie „Das schaffe ich nie“ sind Schnee von gestern. Stell dir vor, du packst sie in einen schweren Sack und wirfst sie über Bord in dein Kielwasser.
  • Nutze Akzeptanz: Akzeptiere deine Gedanken – auch die verstörenden – als das, was sie sind: Worte in deinem Geist. Du hast immer die Kontrolle, dich trotz aller Gedanken für nachhaltiges Handeln zu entscheiden.
  • Lebe gesund: Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und Bewegung reduzieren nicht hilfreiche Gedanken von vornherein.

Mein Tipp für den nächsten Schritt

Du möchtest tiefer in die ACT-Methode und die Technik des Entschärfens eintauchen?

In meinem Buch „Nachhaltig leben – 77 praktische Tipps für deinen Alltag“ (ISBN 978-3-662-70530-8) widme ich diesem Thema ein ganzes Kapitel. Dort findest du weitere Übungen und Literaturtipps, wie du deinen Geist zu einem Verbündeten auf deinem Weg zu einem nachhaltigen und erfüllten Leben machst.


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